Walzendruck & Geliprint – Meine Elemente für die Frühlingspost

Walzendruck & Geliprint – Meine Elemente für die Frühlingspost

Die Frühlingspost war eine tolle gemeinschaftliche Postkunst Aktion und heute zeige ich euch mein Herangehen. Walzendruck & Geliprint passen so wunderbar zusammen! Daher war ich froh, dass ich eine große Gelplatte habe. Meine Elemente für die Frühlingspost laufen zweigleisig. Einerseits filigrane narrative Figuren im Skizzenbuch und andererseits ein sehr minimalistisches Vorgehen beim Walzendruck.

Walzendruck & Geliprint: Skizzenbuch mit Entwürfen für die Elemente
Walzendruck & Geliprint: Krebs Zeichnung als Element für Erde

Eine persönliche Geschichte der Elemente in meinem Skizzenbuch

Für die Frühlingspost und den Walzendruck habe ich mein neues selbstgebundenes Skizzenbuch angefangen. Schnell stellte sich wieder das tolle magnetische Gefühl ein. Das aufgeschlagene Buch lagt verlockend auf dem Lila Tisch und ich zeichnete und schrieb täglich hinein. Da es oft Trocknungsprozesse gab, freute ich mich darauf, am Abend oder einen Tag später, an der Skizze weiterzuarbeiten. Es sind Farbstudien mit den neuen Aquarellfarben entstanden sowie Elemente-Figuren für Feuer, Wasser, Erden und Luft. Die wollten sich auf unterschiedlichster Weise zeigen, obwohl sie sich für einen Walzendruck nicht gut eignen.

Meine Elemente für die Frühlingspost: Immer mehr Skizzen entstanden rund um meine Elemente-Wesen. Linke Seite aus meinem Skizzenbuch auf Aquarellpapier, schwarze Tuschezeichnungen, leicht Cyan koloriert.

Die Skizzen und Abwandlungen sind mit den zarten Linien und den vielen Details nicht für den Walzendruck mit Moosgummi geeignet. Jedoch konnte ich die Ideen natürlich für die Etiketten abwandeln. Darauf gehe ich am Ende des Beitrages noch mal ein. Ich mag die skizzenhaften Illustrationen, die oft eher wie ein Zwischenstand aussehen und nicht wie eine Reinzeichnung.

Gerade die Lebendigkeit mag ich, und das man ihnen ansieht, dass sie eben noch Gedanken und Gefühle waren.

Meine Elemente für die Frühlingspost: Glasplatte mit drei Farbpfützen. Von links nach rechts: Peachrot, Flieder, Pastellpfirsich.

Die Farbe bestimmt das Element

Dank der vielen Farbskizzen und Versuche im Vorfeld, fand ich beim Anmischen der Linoldruckfarben und Akuafarben rasch mein Spektrum. Die Mischungen sahen mal wieder sehr lecker aus. Nach einigen Probedrucken konnte ich mit Walzendruck & Geliprint in Serie gehen. Da ich gern Sonderpost verschicke, habe ich in einer Auflage von ca. 12 Stück gedruckt. Es war sehr berauschend, immer wieder kleine und große Veränderungen zuzulassen und so die unterschiedlichsten Wirkungen beim Drucken zu erzielen.

Ich entschied mich für ein minimalistisches Wellen-Flammen-Dampf-Krumen-Muster, das ich mit einer Schere aus dem Moosgummi schnitt und mit doppelseitigem Klebeband auf ein Abwasserrohr aus dem Baumarkt klebte. Obwohl ich mir vier passende Rohre zurechtgesägt hatte, braucht ich am Ende nur eines davon. Ich hatte es schon länger als Option im Hinterkopf, nur eine Walze für alle Elemente zu gestalten und das Thema des speziellen Elementes über die Farbe zu visualisieren. Obwohl wir es sogar im Zoom-Meeting kommuniziert hatten, dass das möglich sei ... kam ich mir mutig vor, mir zu erlauben, sooo simple zu sein. Ich dachte wohl im Stillen, »eine muss es ja mal ausprobieren!«.

Meine Elemente für die Frühlingspost: Ein Aufsichtsfoto meiner 4 Elemente Stapel. Oben links Erde, rechts daneben Luft unten links liegt Feuer direkt neben dem Wasser. Sehr minimalistisch, das Muster ist stets gleich, die Farben bewirken das Element.

Die Laufrichtung meiner Walze hat Bedeutung

Und das sind sie nun, meine vier Stapel, gedruckt mit ein und derselben Walze. Feuer war mein erstes Element und da ich das Muster hier als aufsteigende Flamme wahrnahm, druckte ich die Rolle von unten nach oben. Im zweiten Durchgang entstand Erde, mit einer Druckrichtung von links nach rechts. Flach auf dem Boden, Erdkrumen und Muster in Lila-Braun Tönen. Wasser schließt sich fließend und plätschernd in Grün-Blau an. Die Luft steigt drucktechnisch wieder auf, milchig, hell, dampfig Ton in Ton. Ton in Ton ist auf ähnliche Weise minimalistisch, wie ein Muster für vier Elemente.

Das Element Feuer in sehr groß dargestellt. Die Akua Farben glühen sehr in Magenta umringt von einem rauchigen Lila.

Farbsysteme mit den richtigen Effekten für die Elemente

Für Feuer und Wasser wählte ich Akua Farben und für Erde und Luft Schmincke Linoldruckfarben. Akua druckt transparent mischend und gleichzeitig vollmundig übereinander in leuchtenden Tönen, was mir besonders für Feuer bedeutsam schien. Rot ist nicht mein Element, aber mit dem glühenden Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Für Luft und Erde schwebte mir hingegen etwas tonig gedämpftes vor. Mit vielen Weißanteilen eignete sich da die Linoldruckfarbe perfekt. Auch um hell auf dunkel drucken zu können.

Einige typischen Effekte, die auf der Gelplatte entstehen sind unwiederholbar und wunderschön. Leichte Schatten von Farben, die auf dem vorletzten Druck eingesetzt wurden, kommen plötzlich noch mal zum Vorschein. Auch Farbreste an den Seiten der Moosgummiformen drucken manchmal noch mit, wie unten zum Beispiel das Rosa im Wasser links. Hin und wieder entstanden Probedrucke, die ich auch mal kreuz und quer druckte. Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass diese Technik absolutes Eskalationspotenzial hat. Sehr gern hätte ich noch viele neue Elemente gefunden und dafür Farbkombinationen entdeckt. Aber irgendwann war das Maß voll!

Foto mit Blick in die fünf: Auf dem Boden die fertige Elemente-Serie auf Folie farblich sortiert. Fenster, Staffelei und Tisch schon halb geputzt

Am Ende fügt sich alles zusammen

Das Finish habe ich an meinem kleinen Tischchen im Tatelier gestaltet. An dieser Stelle habe ich mich noch mal sehr gefreut, dass ich so viele Elemente-Figuren gezeichnet hatte. So wanderten sie direkt auf meinen mit Tusche gezeichneten Bildbrief. Auch kleine Etiketten zur Beschriftung für die Rückseite meiner Walzendrucke entstanden.

Etiketten auf die Rückseite, Bildbrief koloriert, drumherum eine Banderole aus Makulatur – in einen Umschlag – und ab die Post! Der Kreis meiner Sonderpost wird wohl auch immer größer, daher die ca. 12 Briefe. Zudem habe ich einige Briefe verlost. Die Verlosung fand unter allen Einsendungen statt, die nicht auf meiner Liste standen. Ein dickes Danke an euch für all die lieben, tollen, kreativen Wundertüten, die ihr mir geschickt habt!

Oben blicken die Walzendrucke ins Bild. Unten entsteht der Bildbrief mit Zeichnungen der Elemente und Handschrift. Rechts daneben vier Etiketten in Schwarz-Weiß für jedes Elemen eins zum Beschriften für die Rückseiten der Drucke

Jede Postkunst Aktion ist anders und anders toll! Danke an all die, die so kreativ und gemeinschaftlich dabei sind! Jetzt gibt es erstmal eine kleine Pause und den Sommer lassen wir gaaanz langsam auf uns zukommen.

Hier lang geht es zur Frühlingspost 2026 Finissage, dem gemeinsamen Ping-Pong-Rückblick zwischen Michaela und mir.

Liebgruß von Tabea

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025

Diese Woche ist Sommerpost Finissage! Im Post-Kunst-Werk Blog gibt es bereits Michaela und mein traditionelles Pingpong – mit Rückblick auf die gelungene gemeinsame Aktion nachzulesen. Für die Sommerpost 2025 habe sich Michaela und ich ein Weitblick-Landschafts-Projekt ausgedacht, an dem sehr viele, liebe, kreative Postkünstlerinnen teilgenommen haben.

An dieser Stelle gehe ich tiefer auf meine eigene Puzzle-Landschaft im Hochdruck ein. Ganz frei suchte ich Farben, Formen und landschaftliche Blicke in meinem Skizzenbuch. Das Thema Blick liegt mir schon lange am Herzen. Sowohl der äußere als auch der innere. So erklärt es sich von selbst, dass in meinen ersten Visualisierungen beides Ausdruck fand.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Einblick in Tabeas Skizzenbuch. Kalligrafisch mit Datum und Uhrzeit und ersten Eindrücken zur inneren Landschaft.
Skizzen von Tabea Heinicker mit Tusche und Feder locker aus dem Handgelenk. Linien türmen sich zu Gedanken-Landschaften.

Schwarze Tusche und Feder sind die Werkzeuge, um meine Gedankenschaften aus ihren Kammern herauszulocken. Das Zeichnen hat Spaß gemacht, obwohl es sich in meinem Kopf anfühlte, als würde ich Licht in eine Dunkelkammer lassen. Es gab so viele Eindrücke und Ausdrücke, dass schnell klar war, DAS ist nicht in einem Puzzledruck zu bändigen. Ich sammelte ein paar landschaftliche Muster, stapelte Räume und fand schließlich ... etwas, was einer Mischung aus meinem Innen und Außen glich.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Weitere Skizzen, die nun mehr ins landschaftliche gehen. Pinsel und Aquarellfarben in Lila und Türkisblau. Lockerer Duktus mit Muster für Wetter, Wiesen und Wasser.

Schließlich blieb ich an der Doppelseite (siehe oben) hängen. Zwar noch recht aquarellig, aber schon in Schichten, Flächen und Räume gegliederte »Schaften«. Ich bedachte, dass ein akkurat geschnittener Druckstock eventuell die emotionalen Seiten der farblichen Wasserspiele nicht gut wieder geben könnte.

Obwohl ich die Zeichnung links – mit einem Meeresmondblick – mag, war sie mir zu real und ich entschied mich für eine abstrakte Variante wie rechts. Etwas wetterartiges, ein übereinander von Streifen und Zonen für einen tiefen Blick. Bewusst haben wir uns diesmal für das hochkantige Format entschieden.

Nachdem ich mich im Skizzenbuch thematisch ausgetobt hatte, kam ich auf die Idee, alles wieder zu vergessen. Ich fing also nicht an, meine Entwürfe auf die Druckplatte in DIN A5 zu übertragen, sondern malte direkt auf die noch ganze Platte. Ich dachte, vielleicht spricht dieses Stück Gummi mit mir und ich kann daraus etwas neues entwickeln.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Erster Druck mit der Gummiplatte. Ohne Schnitte, sondern am Stück mit Pinsel bemalt und abgedruckt.

Links mein erster Druck und rechts die Platte mit noch reichlich Farbe. Ein Tag am Meer? Sehe ich da einen Strand mit Brandung und Wildwetterwolken? Auch wenn mir mein erster Druck schon gut gefiel, erinnerte ich mich an unser Thema »Puzzledruck«. Mit einer Platte würde ich dem nicht gerecht werden können. Ich schnitt die Platte mit einem Skalpell beherzt – ohne weitere Vorskizzen – an den entsprechenden Stellen durch und erhielt 3 Teile. Eine konkrete Landschaft hatte ich dabei noch nicht im Sinn. Ich muss wohl gedacht haben, ich nähere mich einer »Schaft« auf diese Weise an, ohne sie zu konkret »haben zu wollen«.

Foto mit links Blick in Tabeas Skizzenbuch. Eine wilde flächige Aquarelllandschaft ohnr Details. Rechts die Gummiplatte bereits in drei Teile geschnitten.

Mit dem hügeligen Schnitt am Horizont entfernte ich mich optisch von der Meereslandschaft. Statt zum Schnitzwerkzeug zu greifen, legte ich meine schönsten Pinselschätze auf den Tisch. Die drei Platten ließen sich mit Linoldruckfarbe, Farbwalze und Pinsel gut gestalten. Ich mochte, die glatten Effekte an den Schnittkanten der Platten. Wirre Pinselkräuseleien türmten sich scheinbar wie Wolken am Horizont. Pinselstriche wirkten wie Himmel, See und Ufer – fehlte noch ein Lot, so entstand der vierte Cut.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Viele Drucke der vierteiligen Platte, es entsteht eine Serie mit leichten Variationen in Farbe.

In diese Strukturen noch Muster zu schnitzen, widerstrebte mir. Also beließ ich es dabei. Von Druck zu Druck variierte ich die Farben dezent, mischte nach, probierte aus. Und rasch war die Serie komplett. Um stets vier Farben zum Einwalzen parat zu haben, verwendete ich 2 große Glasscheiben. Für ein Anschreiben sammelte ich ein paar Skizzen aus meinem Buch und gestaltete einen Bildbrief.

Puzzle-Landschaft im Hochdruck für die Sommerpost 2025: Anorndung von Umschlag, Beibrief und Druck, so wie es die Teilnehmerinnen aus Tabeas Gruppe geschickt bekommen. auf dem Umschlag ist das viergeteilte Motiv in Weiß gedruckt. Wie eine Schneelandschaft.

Kommt jetzt eine Herbstpause? Wie so oft nach einer Postkunst Aktion, denke ich, ich könnte doch in dieser Technik noch etwas experimentieren. In Wahrheit stapeln sich Projektbündel auf meinem Schreibtisch, die alle gern noch hübsch aufbereitet werden möchten. Dafür könnte sich die kalte Jahreszeit eignen, wenn mein Garten schläft und ich deshalb vermutlich sehr, sehr viel Zeit haben werde.

Liebgruß von Tabea

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